Neulich habe ich den Film „PERFECT DAYS“ gesehen. Der Film ist ruhig und unaufgeregt und handelt vom Toilettenreiniger Hirayama, den der Zuschauer durch seinen geregelten Alltag in Tokio begleitet: Aufstehen, Toiletten putzen, Mittagessen unter einem Baum, Toiletten putzen, etwas Essen gehen, lesen, schlafen und wieder von vorn.
Von außen betrachtet vielleicht ein langweiliges und nicht erstrebenswertes Leben, aber der Mann ist froh. Dieser Ausdruck in seinem Gesicht, wenn er morgens aus dem Haus geht, die Luft einatmet und den Tag beginnt und das erfüllte Lächeln, wenn er unter dem Baum sein Mittag isst und die Lichtspiele beobachtet – für ihn „perfect days“.
Was weiß er, was wir nicht wissen?
Als ich das Buch „Das Café am Rande der Welt“ gelesen habe, habe ich auf einer Seite „Glück kommt von Innen“ an den Rand geschrieben. Doch wie funktioniert das? Haben wir einen Glückshahn zum Aufdrehen oder einen geheimen Knopf, den der Mann in „perfect days“ schon gefunden hat?
Schauen wir also, was dieses „Glück“ eigentlich ist. Der Duden definiert „Glück“ unter anderem so:
„etwas, was Ergebnis des Zusammentreffens besonders günstiger Umstände ist; besonders günstiger Zufall, günstige Fügung des Schicksals“
Ich denke dies haben wir alle schon erlebt. Diese Momente, wenn man denkt, „da habe ich aber Glück gehabt“.
Scrollt man auf der Seite des Duden etwas weiter, findet sich unter Punkt „3. a“ folgende Definition:
„angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“
Jetzt kommen wir dem Ganzen schon näher. Es gibt also ein „äußeres Glück“ durch Geschehnisse, Umstände und Ereignisse und es gibt ein „inneres Glück“.
Das Zitat von Franz Freiherr von Dingelstedt bringt es auf den Punkt:
„Er hat im Leben viel Glück gehabt, und ist doch niemals glücklich gewesen.“
Das innere Glück ist also ein Gefühl, eine Gemütsverfassung. Der Duden beschreibt es als „Befriedigung und Hochstimmung“ und ich gebe noch „Glücklich sein“, „sich gut fühlen“, „Leichtigkeit“, „Freude“ und „Dankbarkeit“ hinzu, um das innere Glück in Worte zu fassen und bestimmt gibt es noch sehr viel mehr, was diesen Zustand beschreiben könnte.
Doch wie findet sich nun dieses „innere Glück“. Woher weiß man, was in einem dieses Hochgefühl auslöst?
Hierzu möchte ich meine Gedanken teilen. Ich denke, dass jeder Mensch mit einer „Grundstimmung“ des Nervensystems auf die Welt kommt. Vielleicht braucht das eine Nervensystem eher Ruhe, das andere vielleicht eher Action und ständig Bewegung, das nächste eine Mischung daraus oder etwas Anderes. Und genau das gilt es für sich selbst herauszufinden und Aktivitäten und Momente zu suchen, die zu dieser Grundstimmung passen.
Ich denke, dass man dafür den inneren Impulsen und Sehnsüchten folgen sollte, Dinge ausprobieren und bewusst wahrnehmen muss, selbst entscheiden muss und nicht darauf hören sollte, wenn andere sagen, dass man etwas nicht tun kann. Denn Fakt ist, dass wir in eine Gesellschaft geboren werden, die Ansichten und Erwartungen hat, welche uns von unserem „inneren Glück“ entfernen können. Und oftmals folgen wir den Erwartungen von Außen und nicht den „Schwingungen von Innen“. Denn wir wollen niemanden verletzen und wir wollen nicht ausgelacht oder ausgegrenzt werden und am Ende fühlen wir uns vielleicht völlig falsch am Platz und sind unzufrieden mit dem eigenen Leben.
An dieser Stelle ist es mir wichtig anzuführen, dass es hier nicht um weitreichende Erziehungsfragen, wie den Schulbesuch oder Verbote von gesundheitsgefährdenden Substanzen oder Ähnlichem geht. Es wird natürlich auch Momente im Leben geben, in denen man eben nicht einfach das tun kann, was man gerade will, und ich wiederhole, dass es darum geht, Aktivitäten und Momente zu suchen, die zur eigenen Grundstimmung passen und ein inneres Hochgefühl auslösen.
Also stell dir einen Erwachsenen vor, der eines Tages Klavier spielen lernen möchte, weil da schon immer so ein Gefühl in ihm war oder er gerade Lust dazu hat. Aber ihm wird gesagt, dass die Finger zu kurz sind, er zu unmusikalisch ist, die „Freunde“ machen Witze und er hört, dass aus ihm nie ein guter Klavierspieler wird. Also verwirft er die Idee, doch dieses innere Gefühl bleibt und macht ihn unglücklich. Doch vielleicht ist es ihm aber auch egal was alle sagen und aus ihm wird tatsächlich kein guter Klavierspieler, aber ein glücklicher.
Das innere Glück zu finden, bedeutet also manchmal auch, den eigenen Weg zu gehen, sich selbst Liebe zu schenken und zu entscheiden: „Das brauche ich und das mache ich, egal was ihr darüber denkt“. Und andersherum bedeutet es auch andere Menschen sein zu lassen, wie sie sind. Ihnen ihr inneres Glück zu lassen, auch wenn man es vielleicht nicht versteht oder es nicht das ist, was man sich für diesen Menschen in seinem Leben vorgestellt hat oder man es komisch findet, dass er oder sie in den Wald geht und Bäume umarmt, in der Freizeit Bilder malt oder mit 40 nochmal eine neue Ausbildung macht.
Dr. Rami Kaminski schreibt so treffend in einem seiner Bücher: „…die dauerhafteste Beziehung, die du führst, ist deine Beziehung zu dir selbst.“ Also sollten wir uns selbst gut kennenlernen, um die Wünsche, Sehnsüchte und Glücksgefühle in uns wahrzunehmen, oder? Aber, das mit dem selbst kennenlernen, ist einfacher gesagt als getan.
„Wenn Menschen sich die Zeit nehmen, um zu meditieren oder alleine in der Natur zu sein, versuchen sie in der Regel, vom äußeren „Lärm“ fortzukommen, damit sie sich darauf konzentrieren können, was sie wirklich denken.“ So schreibt es John Strelecky. Und auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass es hilft die Sinne nach Innen zu richten, um sich selbst kennenzulernen und wieder zu fühlen. Und dafür braucht es Ruhe und stille Momente mit sich selbst. Und es braucht den Mut auf die Gefühle zu hören und diese wahrzunehmen, ohne zu werten, so wie es eines der Prinzipien der Achtsamkeit lehrt. Also im ersten Schritt eine neutrale Bestandsaufnahme zu machen. Zum Beispiel: Wie fühle ich mich, wenn ich etwas Bestimmtes tue?
Und natürlich kann man in der Stille und Achtsamkeit mit sich selbst auch negative Gedanken, Gefühle und Emotionen finden und auch diese bekommen ihren Raum. Denn wie soll man sein inneres Glück finden, wenn man sich selbst „belügt“, weil man die negativen Gedanken und Gefühle wegschiebt?
Und ich weiß, dass man nicht immer alles, was zum inneren Glück führen könnte, auch umsetzen kann. Es wird Sehnsüchte und Dinge geben, die nicht geändert werden können. Vielleicht kann man also nicht mit 40 Jahren nochmal eine neue Ausbildung machen, weil man Verantwortung für eine Familie hat, es finanziell oder aus anderen Gründen nicht möglich ist. Doch auch dafür gibt es einen Anker im Leben. Denn wenn wir uns eine Waage vorstellen, dann kann man eine Schale der Waage mit dem Ärger und der Enttäuschung darüber füllen, dass man etwas nicht tun kann, was man möchte oder bräuchte. Und dann kann die Waage so bleiben und man denkt nur daran, was nicht funktioniert und ist unzufrieden und unglücklich. Oder man kann die andere Waagschale mit den Dingen füllen, die einem Energie und Kraft geben und schon positiv sind und bereits glücklich machen und die Waage ausgleichen.
An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass dies kein Allheilmittel ist und psychische Gesundheitsprobleme und traumatisch Erfahrungen oder drastische Lebensumstände weitaus mehr Hilfe benötigen. Und es mir wichtig zu betonen, dass die Waage auszugleichen, nicht bedeutet, dass man Probleme unter den Teppich kehrt, sie ignoriert oder sich alles schönredet. Sondern es geht darum den Fokus zu ändern und die Frage, mit welcher inneren Einstellung man dem Leben entgegentreten will.
Die Waage kann man zum Beispiel ausgleichen, in dem man sich bewusst macht, wofür man in seinem Leben dankbar ist und dabei auch die Dinge benennt, die einem selbstverständlich erscheinen wie Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch, ein Job, Familie, Freunde, guter Schlaf, ein Haustier, die Möglichkeit reisen zu können, Frieden im Land usw. Und man kann die Waage natürlich auch mit den Dingen füllen, die einen innerlich glücklich machen. Und diese Dinge können ganz banal sein, denn, wie am Anfang geschrieben, ist das innere Glück ein Gefühl und es ist völlig egal, was dieses Gefühl auslöst. Das kann Moment der Ruhe mit dem Kaffee auf dem Balkon in der Sonne sein, das Hören der Lieblingsmusik, ein Puzzle, ein Bild malen, Geschichten schreiben, etwas lernen, Fußball spielen, im Wald sitzen, spazieren gehen, kochen, backen, basteln und auch diese Aufzählung könnte ich so ewig weiterführen.
Und wenn du für dich herausgefunden hast, was dein inneres Glück entfacht, dann bring diese Dinge so oft wie möglich in dein Leben. Und tue sie einfach. Wenn dir etwas inneres Glück bringt, dann muss es keinen „gesellschaftlichen Zweck“ verfolgen. Wenn du malen willst, dann tue es. Und wenn du am Ende 300 Bilder zu Hause hast, dann ist das eben so. Hat es dich froh gemacht? Warst du dabei glücklich? Dann ist alles gut.
Wenn du diesen Blog verfolgst, dann weißt du, dass mein Mann und ich vor einigen Jahren aus der Stadt in die Natur gezogen sind. Denn in uns war dieser Drang nach Natur und wir hatten die Möglichkeit und den Mut, diesen Schritt zu gehen. Und auch wir haben noch Schwierigkeiten, Probleme, Kämpfen mit uns selbst und dem Leben, doch wir haben auch den Wald vor der Tür. Und so oft wie möglich schaffen wir unser inneres Glück und füllen die positive Waagschale mit einem Spaziergang im Wald und mit einem Gespräch auf unserer Lieblingsbrücke, während wir diesen magischen Ort genießen.
Und wie immer im Leben ist auch die Suche nach dem inneren Glück kein Ziel, dass man erreichen kann, sondern ein Weg, den man gehen muss. Denn wir verändern uns und es gehört auch dazu, sich zu erlauben und einzugestehen, dass man heute nicht mehr die Person von vor 10 Jahren ist und in 5 Jahren auch anders sein wird und sich der innere Glückskompass manchmal vielleicht neu ausloten muss und dafür ist man nie zu alt.
Heute Morgen habe ich mit meinem Mann auf dem Balkon gefrühstückt. Der Tisch war reich gedeckt, ein Lüftchen wehte, der Blick ging in die Natur, ich dachte an den gestrigen Tag, als wir kleines Schwimmbad auf dem Balkon aufgestellt hatten und daringesessen haben und ich mich „reich“ gefühlt habe. Zwei Momente des inneren Glücks, für die ich sehr dankbar bin.
Zum Abschluss möchte ich nochmal aus dem Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky zitieren:
„Unsere Aufgabe“, so sagte er, „besteht darin zu erkennen, dass uns etwas erfüllt, weil wir es selbst nun einmal so empfinden, und nicht, weil jemand anderer uns sagt, dass es erfüllend sei.“
Also öffne dein Herz und weite deinen Blick, denn das innere Glück liegt bereits in dir selbst. Und ich denke, dass ich ab heute in Geburtstagsgrüßen viel Glück von Innen und Außen wünschen werde.
Quellen:
- Strelecky, John: Das Café am Rande der Welt. Eine Erzählung über den Sinn des Lebens.
- https://www.aphorismen.de/zitat/84186
- https://www.duden.de/rechtschreibung/Glueck
- Dr. Kaminski, Rami: Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen.

